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Erholung ist Teil der Leistung: Was Firmen vom Spitzensport lernen
Im Spitzensport gehört die Pause zum Trainingsplan, im Büro gilt sie oft als Schwäche. Was Unternehmen und ihr Gesundheitsmanagement daraus übernehmen können.
In der Leichtathletik habe ich zuletzt sechs- bis siebenmal pro Woche trainiert. Wer das hört, denkt meist zuerst an die Trainings selbst. Was dabei oft vergessen geht, ist die andere Hälfte des Plans: die Erholung.
Im Spitzensport ist klar, dass Leistung nicht im Training allein entsteht, sondern im Wechsel von Belastung und Erholung. Im Büro dagegen gilt die Pause noch oft als etwas, das man sich erst verdienen muss. Seit ich als Management Associate bei einer grossen Versicherung arbeite, fällt mir dieser Unterschied jeden Tag auf.
Im Sport ist die Pause geplant
Ein Trainingsplan besteht nicht nur aus harten Einheiten. Er enthält lockere Tage, Ruhetage und Phasen, in denen bewusst weniger gemacht wird. Niemand käme auf die Idee, das als Faulheit zu bezeichnen. Es gehört zum Plan.
Am deutlichsten habe ich das bei meinem Physio erlebt. Er war meist die Person, die sagte: «Lieber jetzt nicht.» Das war nicht immer einfach, vor allem kurz vor wichtigen Wettkämpfen. In der Vorbereitung auf die U18-EM gab es mehrere Momente, in denen ich im Nachhinein froh war, dass ich auf ihn gehört habe.
Für mich war das eine wichtige Einsicht: Erholung ist keine Unterbrechung der Leistung. Sie ist ein Teil davon.
Was die Forschung zu kurzen Pausen sagt
Natürlich lässt sich der Spitzensport nicht eins zu eins aufs Büro übertragen. Ein Arbeitstag ist kein Trainingsplan. Trotzdem gibt es Hinweise, dass auch im Arbeitsalltag schon kleine Pausen etwas bewirken.
Eine Meta-Analyse von Albulescu und Kollegen, 2022 in der Fachzeitschrift PLOS ONE erschienen, hat Studien zu kurzen Pausen ausgewertet. Das Ergebnis: Nach kurzen Pausen fühlen sich Menschen energiegeladener. Ein signifikanter Effekt auf die Leistung zeigte sich insgesamt nicht.
Ich finde dieses Ergebnis ehrlich und hilfreich. Es zeigt, dass Pausen kein Wundermittel für mehr Output sind. Aber sie verändern, wie man sich durch den Tag bewegt. Und wer mit mehr Energie arbeitet, bleibt über Wochen und Monate eher gesund und motiviert. Genau darum geht es im betrieblichen Gesundheitsmanagement.
Ein voller Kalender braucht Routinen, nicht Motivation
Neben dem Training habe ich gearbeitet, studiert und Militärdienst geleistet. Das ging nur mit viel Planung und Zeitmanagement: Prioritäten setzen, Zeiten planen, Leerzeiten nutzen, etwa die Zugfahrt, eine kurze Mittagspause oder Wartezeiten.
Hier steckt ein Widerspruch, den ich offen ansprechen möchte. Leerzeiten zu nutzen ist effizient. Wer aber jede Lücke füllt, hat irgendwann keine Erholung mehr. Was mir geholfen hat, war deshalb nicht Motivation, sondern Routine: Zeiten fix planen, für die Belastung und für die Erholung. Eine Routine hält auch an Tagen, an denen man keine Lust hat oder der Kalender überquillt.
Für Unternehmen heisst das: Erholung funktioniert besser, wenn sie eingeplant ist, statt dem Zufall überlassen zu werden. Wer erst Pause macht, wenn alles erledigt ist, macht nie Pause.
Was Unternehmen konkret übernehmen können
Aus meiner Erfahrung im Sport und im Büro sehe ich ein paar einfache Ansätze, die in einen vollen Arbeitsalltag passen:
- Belastung und Erholung zusammen planen. Nach einer intensiven Projektphase oder einem langen Sitzungstag bewusst einen ruhigeren Block einplanen, wie einen lockeren Trainingstag.
- Kurze Pausen sichtbar machen. Wenn Führungskräfte selbst Pausen machen, wird es für das Team normal.
- Bewegung über Mittag. Ein kurzer Spaziergang oder ein lockerer Lauf ist für viele leichter umsetzbar als ein langes Programm am Abend.
- Ein «lieber jetzt nicht» erlauben. Im Sport gibt es den Physio, der bremst. Im Team kann das eine offene Frage sein: Ist das jetzt wirklich dringend?
- Klein anfangen. Eine einzige neue Routine, die hält, bringt mehr als fünf gute Vorsätze.
Keiner dieser Punkte braucht ein grosses Budget. Was es braucht, ist die Haltung, dass Erholung zur Arbeit gehört.
Erholung als Teil der Kultur
Am Ende ist Erholung weniger eine Frage der Technik als der Kultur. Im Sport ist es selbstverständlich, dass Trainerinnen und Trainer auch die Pausen planen. In Unternehmen liegt diese Verantwortung oft allein bei den Mitarbeitenden, und gerade die Engagiertesten sind dann diejenigen, die am wenigsten Pause machen.
Hier kann betriebliches Gesundheitsmanagement ansetzen: nicht mit einzelnen Gesundheitstagen allein, sondern mit dem Gedanken, dass Belastung und Erholung ein gemeinsamer Plan sind.
Darüber spreche ich im Impuls «Erholung ist Leistung», gern auch kombiniert mit «Routinen, die tragen» für Teams mit vollem Kalender. Wenn Sie einen Gesundheitstag oder einen Anlass im betrieblichen Gesundheitsmanagement planen, schreiben Sie mir gern, was Ihr Team gerade beschäftigt.


