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Blog · · 4 Min. Lesezeit

Neustart nach dem Aus: Was Teams in der Veränderung wirklich brauchen

Nach neun Jahren Kunstturnen war wegen meines Knies Schluss. Was ich aus diesem Neustart über Veränderung in Teams gelernt habe – ohne Heldengeschichte.

Ich war 15, als ich vom Arzt erfuhr, dass mein Knie das Kunstturnen nicht mehr mitmacht. Neun Jahre lang hatte ich geturnt, seit ich sechs war. Und dann war Schluss, von einem Tag auf den anderen.

Wenn ich diese Geschichte an Führungstagungen erzähle, erwarten viele an dieser Stelle einen dramatischen Tiefpunkt. Den gab es nicht. Und genau das ist für mich einer der wichtigsten Punkte, wenn es um Veränderung geht.

Veränderung fühlt sich anders an, als man denkt

Ehrlich gesagt war das Aus für mich «eigentlich okay». Die Freude am Turnen war schon ein Stück weit verloren gegangen. Was mir dann aber fehlte, war etwas anderes, als ich erwartet hatte: das Team. Der regelmässige Austausch mit allen, die gemeinsamen Trainings. Ich hatte Turnen immer als Teamsport erlebt.

Ich glaube, in Unternehmen ist es oft ähnlich. Führungskräfte bereiten sich auf Widerstand gegen die neue Strategie, den neuen Prozess oder die neue Struktur vor. Was Mitarbeitende aber am meisten beschäftigt, ist manchmal gar nicht die Sache selbst, sondern das, was dabei verloren geht: ein eingespieltes Team, vertraute Abläufe, Menschen, mit denen man gern zusammengearbeitet hat.

Wer in einer Veränderung nur über Inhalte spricht, verpasst diesen Teil. Und er verpasst auch, dass manche Leute innerlich schon weiter sind, als man denkt.

Kein Neubeginn bei null

Eine Pause gab es bei mir nicht. Noch im selben Jahr, 2020, kam ich über den UBS Kids Cup zum ersten Mal mit der Leichtathletik in Kontakt. Dort wurde mein Talent erkannt, und ich wechselte.

Das erste Training war ernüchternd. Man sagte mir, ich laufe wie eine Ballerina – mit gestreckten Zehen, typisch für Kunstturner. Auch das allgemeine Training war ungewohnt. Neun Jahre Erfahrung, und trotzdem fühlte ich mich in vielem wie ein Anfänger.

Und doch habe ich nicht bei null angefangen. Ich brachte die Gewohnheit mit, regelmässig zu trainieren und immer Feedback einzuholen. Anderes musste ich komplett neu lernen, allem voran das Laufen selbst. Zwei Jahre später startete ich an der U18-EM über 400 m. Insgesamt gewann ich acht Medaillen an Schweizer Meisterschaften.

Diese Unterscheidung ist für mich der Kern jeder Veränderung: Was nehme ich mit, und was muss ich neu trainieren? Wer beides vermischt, macht einen von zwei Fehlern. Entweder er hält an Dingen fest, die nicht mehr passen. Oder er wirft mit dem alten Prozess auch die Erfahrung der Leute weg.

Was Teams in einer Veränderung brauchen

Aus meinem eigenen Neustart und aus meiner Arbeit in einem grossen Unternehmen sehe ich vor allem vier Dinge, die Teams durch eine Veränderung tragen:

  • Eine ehrliche Bestandesaufnahme. Mitarbeitende sollten nicht hören «alles war falsch», sondern «darauf bauen wir auf». Das stimmt meistens auch.
  • Klarheit darüber, was neu gelernt werden muss. Nicht als Vorwurf, sondern als Trainingsplan. Im Sport ist es normal, dass man Technik umlernt. Im Büro wird das oft als Schwäche empfunden.
  • Sichtbarer Fortschritt. In der Leichtathletik misst man in Sekunden. In einer Transformation fehlt diese Messbarkeit oft, und genau dann sinkt die Energie. Kleine, sichtbare Etappen helfen.
  • Das Team nicht vergessen. Wenn sich Strukturen ändern, gehen Beziehungen verloren. Dafür braucht es bewusst Zeit und Raum.

Auffällig ist für mich auch, was nicht auf der Liste steht. Nach meinem Aus gab es keine besondere Person und kein besonderes Ereignis, das alles gewendet hätte. Es war schlicht der nächste Schritt, und dann der übernächste. Veränderung braucht nicht immer eine grosse Geste. Oft braucht sie einen klaren nächsten Schritt.

Der zweite Neustart: vom Spitzensport ins Büro

Nach meiner Leichtathletik-Zeit kam der nächste Wechsel: Ich stieg als Management Associate bei einer grossen Versicherung ein. Heute arbeite ich in Teams, in denen die anderen meist über 50 sind, und präsentiere vor der Geschäftsleitung.

Damit kenne ich Veränderung auch aus der Sicht dessen, der neu dazukommt. Man bringt etwas mit, versteht aber die Regeln noch nicht ganz. Aus dem Sport kannte ich Druck, Routinen und Feedback. Neu war, wie viel in einem Unternehmen über Kommunikation und Stakeholder-Management läuft. Eine gute Idee allein reicht nicht, man muss die Menschen mitnehmen, die davon betroffen sind.

In jeder Transformation wechseln Menschen in neue Rollen. Was sie mitbringen, wird oft übersehen. Was sie brauchen, wird selten gefragt.

Drei Fragen für Ihr Team

Wenn Sie gerade eine Veränderung führen, probieren Sie in der nächsten Teamsitzung diese drei Fragen aus:

  • Was bleibt? Welche Fähigkeiten und Erfahrungen tragen weiter?
  • Was trainieren wir neu? Wo müssen wir umlernen, und wer hilft dabei?
  • Woran merken wir Fortschritt? Welche kleine Etappe können wir in den nächsten Wochen erreichen?

Die Fragen sind einfach. Aber sie verschieben das Gespräch weg von «alles wird anders» hin zu «darauf bauen wir auf».

Diese Fragen stehen im Zentrum meiner Keynote «Neustart nach dem Aus», die ich für Führungstagungen, Kaderanlässe und Kick-offs halte. Wenn bei Ihnen eine Veränderung ansteht oder schon läuft, erzählen Sie mir gern, was sich verändert und wer im Saal sitzt. Dann sage ich Ihnen ehrlich, ob und wie die Keynote dazu passt.

Luca Moser · Speaker für Generationen, Veränderung und Spitzensport

Luca Moser im Pullover, lächelnd

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